Frauen im Finanzwesen – ein Gespräch mit der Philosophin Natalie Knapp

Ich habe die Philosophin Natalie Knapp bei einer Veranstaltung für Finanzexperten kennengelernt. Ich war als Bloggerin anwesend. Frau Knapp als Speakerin. Natalie Knapp beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, warum es für Menschen essenziell ist, Unsicherheit zuzulassen. Aus Unsicherheit entsteht Kreativität. Ohne Unsicherheit gäbe es keine Hoffnung. Ohne Unsicherheit, so Frau Knapp, könnten wir uns nicht entfalten, uns nicht jeden Tag neu erfinden und neu entdecken. Ein spannendes Gespräch.

Spannend war auch die Tatsache, dass Frau Knapp und ich mit einigen wenigen anderen, die einzigen Frauen unter mehr als 150 anwesenden Finanzexpert*innen waren. Vom Thema Diversität möchte ich gar nicht erst sprechen.

Natalie Knapp spricht häufig bei Tagungen und Kongressen für Führungskräfte aus Wirtschaft und Finanzwesen. Ihre Beobachtung ist immer dieselbe: Bei dieser Art von Veranstaltungen sind überwiegend Männer anwesend und nicht unbedingt, weil sich die Veranstalter nicht Mühe geben würden, auch Frauen einzuladen.

Liebe Frau Knapp, wie erklären Sie es sich, dass viele Wirtschaftstagungen und Finanztagungen heteronorm männlich sind?

Das deutlich weniger Frauen in Führungspositionen sind, hat sicher auch damit zu tun, dass wir unsere eigene Arbeit anders bewerten und somit auch in der Öffentlichkeit anders vertreten. Es hat auch damit zu tun, dass Menschen grundsätzlich nicht nur Individuen sind, sondern immer auf gesellschaftliche Rückmeldungen angewiesen.. Wie sicher ich mich in einer Machtposition fühle, hängt daher auch davon ab, wie viele andere mir zurückspiegeln, dass mir diese Position zusteht. Wenn mir als Frau eben nicht so viele andere rückspiegeln können, dass ich mich kompetent und anerkannt fühlen kann, dann ist es exorbitant schwerer, sich wohl zu fühlen.

Ich glaube dass in diesem Segment der wichtige und angestrebte Change hin zu einer Gleichberechtigung der Geschlechter in Führungspositionen noch komplett misslungen ist. Natürlich ist das nicht in jedem Land gleich. In Österreich ist es vielleicht besonders schwierig, aber auch in Deutschland ist es nicht besser.

Um wirkliche Gleichberechtigung zu erzielen, müssen wir noch hart arbeiten

Ich war neulich als Vortragende in einer Universität, die mit ihrer proaktiven Gleichstellungspolicy bei einer Absolventinnen-Quote von  fast 70% weiblichen Promovierenden nur 41% weibliche Professorinnen hatte. Universitäten mit  vergleichbaren Absolventinnenquoten haben sogar nur etwa 20% weibliche Professorinnen.

Diese Diskrepanz zwischen fachlicher Leistung und Führungsanteil kann nur mit aktiver Anstrengung von Unternehmen und Universitäten verringert werden. Das regelt sich nicht von alleine. Wenn wir darauf vertrauen, dass sich besonders starke und unabhängige Frauen im Laufe der Jahrhunderte  trotz mangelnder sozialer Unterstützung nach oben kämpfen, müssen wir lange warten. Das muss viel schneller gehen. Unter anderem auch deswegen, weil es so viele weibliche Kundinnen gibt. Viele Dinge gestalten sich aus weiblicher Perspektive anders. Wenn wir nicht genügend unterschiedliche Sichtweisen haben, dann machen wir Fehler.

Quellen: Frau Knapp bezieht sich in ihren Aussagen auf die Hochschule Fulda  https://www.hs-fulda.de/presse/meldungsdetails/news/bundesweit-spitze-beim-frauenanteil/detail/News/?no_cache=1&cHash=230a4884b12121641885dc03a6940a55

 

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