Hohe Wand, großes Erlebnis!

Hinauf auf den Gebirgsvereins-Klettersteig

15.08.2020 – Die Nacht war drückend, der Himmel ist bewölkt – Lieber August, du bist heuer wechselhaft und ein bisschen störrisch. Geplant ist ja ein Ausflug an die Hohe Wand inklusive Anreise per Zug nach Grünbach am Schneeberg, von wo aus wir (Vici, Elli und Gerhard) in den Gebirgsvereinsklettersteig einsteigen wollen. Und jetzt ist die Wettervorhersage uneindeutig – wir haben eine fifty-fifty Chance, dass das Wetter hält. Zum Glück ist Kletter(steig)-Buddy Elli ein Motivationstornado: Sollte es regnen, dann wird es eben (nur) ein Spaziergang durch den Wald.

Partnercheck am Wandfuß des Gebirgsvereinsklettersteigs an der Hohen Wand

Die Klettersteig-Vorbereitungen

Nachdem ich in den letzten Wochen den Pittentaler Klettersteig, den Haidsteig und den Simmswasserfall-Klettersteig begangen bin und ehrfürchtig vor einer Passage des Kanzianiberg-Steigs stand (wir waren zum Klettern in der unsagbar beeindruckenden Schlucht des Kärntner Kanzianibergs) habe ich mir die neue, 6.  Auflage (2020) des Klettersteig-Atlas von Kurt Schall besorgt. Der erste Eindruck ist vielversprechend. Sämtliche Touren sind umfangreich beschrieben und  wow – wie viele Klettersteige gibt es in Österreich eigentlich?!? Dennoch check ich vor einer Tour immer auch online verfügbare Topos und hier bietet bergsteigen.com halt ein schier grenzenloses Sammelsurium an Informationen (die man aber auf jeden Fall auch hinterfragen sollte, denn gerade beim Zustieg zum Haidsteig waren dann doch noch ein paar Zustiegs-Fragen offen…). Ab sofort ist nun also auch die Alpenvereins-App mit am Handy, wenn man sich nämlich doch mal verlaufen hat, leistet die großartige Dienste.

Elli in der Wand kurz vor dem Einstieg in die Hängebrücke

Im Klettersteig immer mit dabei:

  • Klettersteigset
  • Kletterschuhe (besonders im Gebirgsvereinsklettersteig war ich extrem froh, mit richtigen Kletterschuhen ausgestattet zu sein. Kleine Tritte und mickrige Kanten konnte ich problemlos ansteigen, ohne mich mit der kompletten Sohle einfach gegen die Wand stemmen zu müssen, wie es bei Bergschuhen und selbst Zustiegsschuhen wahrscheinlich der Fall gewesen wäre)
  • Zusätzlicher Karabiner & Bandschlinge
  • Helm
  • Energieriegel
  • Klettersteigs- und Abstiegstopo
  • Wasser

Was beim Klettersteig dabei sein hätte sollen:

  • Klettersteig-Handschuhe, die haben mir wirklich zum ersten Mal richtig gefehlt, da dann auch der Abstieg mit Seil gesichert war und die Hände ordentlich aufgerieben wurden
  • Schuhe mit stärkerem Profil für den Abstieg (ich verrate jetzt nicht, für welche Schuhe ich mich entschieden habe)
  • Wasserbeutel mit Trinkschlauch für den Rucksack – ist einfach eine feine Sache

Was zum ersten Mal mit dabei war:

  • Gerhards Handpresso. Mit der haben wir dann feinsten Barista-Kaffee am Gipfelkreuz genossen

So wars im Gebirgsvereins-Klettersteig an der Hohen Wand

Der Klettersteigführer verspricht eine lohnende Tour, die über 200 Höhenmeter in gut einer Stunde hinauf zum Hubertushaus führt und neben einer wackeligen Seilbrücke (ich habe sie ausgelassen) auch mehrere Steilpassagen in der ausgesetzten Wand beinhaltet. Stimmt so. Ausgesetzt. Steil. Alles was das Klettersteigherz begehrt war dabei. Die ersten Meter waren noch recht einfach (A), schnell steigt es sich über das Bauernwandl (C) und die Bauernrampe (A/B), doch in der Weninger Wand fanden sich die ersten ausgesetzten Kletterpassagen (C, C/D). Vor der Seilbrücke wurde es wieder gemütlich und endlich war Zeit, sich auch auf die herrliche Aussicht zu konzentrieren.

Während dem Aufstieg hat uns Elli von ihrer wunderbaren Tour hoch zum Großen Priel – dem längsten Klettersteig Österreichs – erzählt und ja, ich bin gehooked. Fünfeinhalb Stunden Klettersteig hoch zum heimlichen Hausberg Oberösterreichs – der Dachstein ist ja ein halber Steirer – klangen schon mehr als verlockend. In der Sommerausgabe der Bergwelten (der Link führt zur Tourenbeschreibung) gibt es übrigens einen umfangreichen Beitrag zum Großen Priel, den ich ausgesprochen spannend und informativ fand.

Coffee with a view

Der Gebirgsvereinssteig und die Hohe Wand sind in der Regel sehr gut besucht, vor allem am Wochenende. Manch Blog spricht sogar schon von Stau im Steig – davon haben wir nichts bemerkt. Die Wetterprognosen an diesem Samstag haben wohl doch einige Klettersteigler*innen dazu veranlasst, nicht zur Hohen Wand zu fahren. Mit uns waren noch drei Kletterer im Steig und vom Wildenauersteig  her haben wir eine Partie beobachten können. Dass die Nähe zu Wien (in gut einer Stunde und 20 Minuten ist man in Schneeberg mit nur einmal umsteigen in Wiener Neustadt) und die gut und rasch erreichbaren Einstiege sicher viele Bergbegeisterte anziehen, kann ich mir vorstellen.

Das Drumerhum an der Hohen Wand

Steinböcke auf der Hohen Wand beim Klettersteigausstieg

Unweit vom Ausstieg befindet sich das bewirtschaftete Hubertushaus sowie das Wildenauerkreuz, denen man einen Besuch abstatten kann. Wirklich beeindruckend und der Höhepunkt des ganzen Tages war jedoch das Zusammentreffen mit einer Steinbock Kolonie, die es sich nicht weit vom Kreuz entfernt gemütlich gemacht hat. Ich bin mir sicher, dass ich einen Steinpilz gefunden habe, den musste ich aber zurücklassen, weil ich meine Hände zum Festhalten gebraucht habe.

Abgestiegen sind wir übrigens über den seilversicherten Springlessteig zurück zum Seiser Toni, den wir schon beim Zustieg passiert haben. Nach knapp fünf Stunden waren wir wieder im Zug zurück nach Wien.

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